Studium ist ein Leben von Deadline zu Deadline. Nach der Abgabe ist vor der Abgabe. Deshalb grassiert an Hochschulen ein regelrechter Hype um produktivitätssteigernde Studiertechniken. Entsprechend viele Methoden sind im Umlauf. Doch ausgerechnet hinter den glamourösesten Namen verbirgt sich Produktivitätsesoterik:

Speedreading-Bullshit
Das 600 Wörter pro Minute mehr Lesequantität als –qualität bedeuten, war jedem klar. Eine aktuelle Studie (hier) kann sogar zeigen, dass die populärsten Speedreading-Techniken – insbesondere das sog. Blocklesen - physikalisch unmöglich sind. Nur ein kleiner Bereich der Retina (Fovea) erfasst Text scharf genug, um ihn auch zu erkennen, außerhalb davon ist die Präzision massiv begrenzt – im peripheren Blickfeld wird einfach nichts verarbeitet. Die einzige Möglichkeit, Texte schneller zu verarbeiten ist, das eigene Vokabular zu erweitern und so Wörter schneller zu identifizieren. Wer schneller lesen will, der muss einfach viel lesen.

10-Finger-Scam
Aber auch beim Schreiben scheint es keinen echten “Produktivitätsbooster” zu geben. Denn wer mit dem klassischen Zehnfingersystem tippt, der textet durchschnittlich nicht schneller als derjenige, der Freestyle tippt. Eine aktuelle Studie (hier) kommt zu dem Ergebnis, dass es keine wesentlichen Vorteile bringt, einen 10-Finger-Schreibkurs zu belegen, insbesondere weil dieses einst für Schreibmaschinen entwickelt System nicht mehr den Tätigkeiten angemessen ist, die wir täglich an Computern absolvieren – man denke an das Nutzen von Tastenkombinationen, Autotext oder der Mauseingabe. Schneller tippt, wer seinen Tippstil an die jeweilige Tätigkeit anpasst und einfach viel tippt.

No-Brain-Training
Das Gehirn auf einfache und vor allem unterhaltsame Art und Weise auf Trab bringen? Ein ominöser “Psychomarkt” bietet viele kleine, videospielbasierte Gehirn-Trainings, genannt sie hier exemplarisch Lumosity, die angeblich die kognitiven Fähigkeiten steigern. Obwohl wissenschaftliche Evidenz zeigt, dass die Gehirnstruktur quasi während des gesamten Lebens plastisch bleibt und damit prinzipiell verbesserbar scheint, fehlen Beweise (hier) für die intelligenzmaximierenden Eigenschaften dieser neueren Trimm-Dich-Bewegung für das Gehirn. Wer intelligenter werden will, muss eben einfach studieren.