Zitationskriminalität – Wie Wissenschaftler künstlich ihre Reputation verbessern

Zitationsindizes (Web of Knowledge, Scopus, CiteSeerX, RePec, Google Scholar, Microsoft Academic, ArnetMiner) sind inzwischen ein weithin anerkanntes Maß für die Forschungsqualität eines Wissenschaftlers. Zitationsraten werden heuer nicht nur für die Evaluation von einzelnen Wissenschaftlern, sondern auch für die Qualitätsmessung ganzer Institute, Fakultäten und Universitäten herangezogen. Da Zitationsindizes die relative Wichtigkeit von Zitaten erhöhen, erzeugen sie […]

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Zitationsindizes (Web of Knowledge, Scopus, CiteSeerX, RePec, Google Scholar, Microsoft Academic, ArnetMiner) sind inzwischen ein weithin anerkanntes Maß für die Forschungsqualität eines Wissenschaftlers. Zitationsraten werden heuer nicht nur für die Evaluation von einzelnen Wissenschaftlern, sondern auch für die Qualitätsmessung ganzer Institute, Fakultäten und Universitäten herangezogen.

Da Zitationsindizes die relative Wichtigkeit von Zitaten erhöhen, erzeugen sie starke Anreize zur Zitationsmanipulation. Wenn ein Mehr an Zitationen ein Mehr an Fördergeldern etc. bedeutet, dann wächst der Anreiz, Zitationsraten künstlich zu erhöhen.

Um die eigene Zitationsrate zu erhöhen, greifen Wissenschaftler auf verschiedene, zweifelhafte Formen des strategischen Zitierens zurück. Stud-Blog nennt sie alle:

1. Selbstzitation
Ziel strategischer Selbstzitate ist es, auf möglichst viele eigene Publikationen zu verweisen, obwohl die Zitate inhaltlich ungerechtfertigt sind.

2. Zitationskartell
Zitationskartelle sind Zusammenschlüsse unabhängiger Wissenschaftler zur Beschränkung des wissenschaftlichen Wettbewerbs. In einem Zitationskartell zitieren sich die beteiligten Wissenschaftler konsequent gegenseitig, obschon die Zitationen keine wissenschaftliche Relevanz für die Publikation besitzen. Gearbeitet wird mit Mindestzitationsraten.

3. Factor Impacting
Bei dieser Form des strategischen Zitierens zitiert der Wissenschaftler insbesondere Artikel aus solchen Zeitschriften, in denen er selbst regelmäßig veröffentlicht, um so den Impact Factor nämlicher Zeitschriften künstlich zu steigern und damit letztendlich die eigenen Veröffentlichungen aufzuwerten.

4. Zitationsunterlassung
Der Verzicht auf das Zitieren von Arbeiten wissenschaftlicher „Konkurrenten“, obwohl diese im gegebenen Kontext der Publikation wichtig gewesen wären, ist ebenfalls eine Form des strategischen Zitierens. Das faktisch genutzte Werk wird nicht zitiert, um die Zitationsraten des Konkurrenten nicht zu verbessern.

5. Reputationswashing
Dabei zitiert ein Wissenschaftler konsequent Artikel von Kollegen derselben Forschungsinstitution, obzwar diese keine wissenschaftlich begründete Rolle für die Veröffentlichung spielen. Damit wird die Reputation der Institution und letztendlich auch die eigene Leistungsbewertung künstlich verbessert.

6. Gutachterkartell
Gutachterkartelle sorgen für einen fachlich unbegründeten, bevorzugten Zugang der Kartellmitglieder zu Zeitschriften mit hohem Impact Factor. Der ungleiche Zugang führt dazu, dass die „konkurrierenden“ Wissenschaftler auf schlechtere Zeitschriften ausweichen müssen.

7. Koautorenschaftmaximierung
Dabei werden so viele Forschungskollegen als Koautoren genannt wie nur irgend möglich, auch wenn diese realiter keinen Einfluss auf die Publikation haben. Im Gegenzug wird ebenfalls Koautorenschaft zugesichert. Damit lässt sich die Anzahl der eigenen Publikationen signifikant erhöhen und damit letztendlich die eigene Zitationswahrscheinlichkeit künstlich verbessern.

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2 KOMMENTARE

    Kommentar
  1. 1
    Hans hat diesen Kommentar 7. September 2010 geschrieben| Permalink

    Mein Prof. soll ein Krimineller sein?

  2. Kommentar
  3. 2
    cey hat diesen Kommentar 10. September 2010 geschrieben| Permalink

    krass

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