Immer öfter achten Studierende auf die Kapitalrentabilität ihrer Hochschulabschlüsse. Dabei bietet Wissenschaft viel mehr als nur pekuniäres ROI. Wissenschaft ist kein notwendiges Übel, um irgendwann einmal viel Geld zu haben oder Autorität zu genießen, sondern notwendige Übung für ein ungetrübtes, glücklicheres Leben. Insofern ist Wissenschaft auch eine Art Lebenskunst, deren Prinzipien, Lehrsätze und Argumente dabei helfen, darüber nachzudenken, wie wir ein glückliches Leben führen können.

Wissenschaft – ganz klar – hat praktische Konsequenzen; sie selbst aber ist auch eine praktische Tätigkeit. Denn sie besteht aus rationalen Überlegungen und Argumentieren. Wissenschaft ist die rationale Erforschung davon, was ist, und was von Wert ist – und daran lässt sich auch unser Denken, Fühlen, Handeln orientieren.

Ihre Konzepte, Vorgehensweisen und Ergebnisse lassen sich einsetzen, um persönliche Probleme zu lösen, um letztendlich ein reicheres, zufriedenes oder stimmigeres Leben zu leben, uns auf der Suche nach Glück und Seelenruhe zu helfen.

Wissenschaft sorgt als lebenspraktisch-epistemische Sichtweise dafür, dass wir in Übereinstimmung mit der Realität leben; ohne Berufung auf höhere Mächte, das Schicksal oder den Gang der Geschichte.

Die wissenschaftliche Herangehensweise lässt sich auch als Klugheit verstehen. Und klug handelt nur, wer gewohnt ist, an sie zu denken. Insofern ist Wissenschaft stets auch eine Übung in Klugheit, die nach einem Studium meist ein ganzes Leben lang reicht.

Wissenschaft hilft dabei, das Leben nicht nur dahinzuleben, sondern es auch zu erklären, zu verstehen und vorherzusehen. Denn alles, was passiert, hat eine natürliche Erklärung. Sie befreit uns somit von Ängsten, mit denen uns Unwissenheit und Irrationalität belasten.

Auch kann das Nachdenken über die Beschaffenheit der Welt und der Menschheit allein schon von intrinsischer Schönheit sein. Denkvorgänge sind für sich schon eine ästhetische Erfahrung. Ganz unabhängig von ihren Konsequenzen ist Wissenschaft damit automatisch auch Selbstzweck.

Der Mensch strebt von Natur aus unumgänglich nach Wissen. Dahinter verbirgt sich die Liebe zur Wahrheit, das Streben und die Begierde nach Erkenntnis an sich und um ihrer selbst willen. Als Akademiker lebt man viel leichter im Einklang mit dieser Natur, was zu tiefer Seelenruhe und Zufriedenheit führt.