Wahnsinnig oder Studierender? – Von einer verflixten Verwechslungsgefahr

Verrückter Wissenschaftler: Woher kommen dieses jahrhundertealte Vorurteil?

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Ernsthaft „verrückt“ zu sein, schadet der Wissenschaft, insbesondere im naturwissenschaftlich-technischen Bereich (hier). Dennoch wird unentwegt ein Zusammenhang zwischen Wahnsinn und Genie behauptet.

Woher kommt dieses Vorurteil? Wahrscheinlich liegt es daran, dass Ottonormalos nicht zwischen klugem Wahnsinn und wahnsinnigem Wahnsinn unterscheiden. Offenbar besteht eine verflixte Verwechelungsgefahr zwischen „zu Klugem“ und „zu Dummem“.

Stud-Blog versucht eine Erklärung:

1 Außersichgeraten
Ohne einen gewissen Grad des „Außersichgeratens“, des „Verzückens“ an den Phänomenen, sind kaum neue Entdeckungen möglich. Nur wer – beispielsweise – asketisch, isoliert, tagelang auf seine Messinstrumente blicken kann, wer sich der Forschung hingibt (!), der erkennt auch wissenschaftliche „Aus-Maße“.

2 Enthemmung
Interesse für die Dinge, die normalerweise ignoriert oder durch Aufmerksamkeit gefiltert werden, weil sie irrelevant erscheinen, zeichnet den Forschergeist aus. Enthemmte Wahrnehmung macht, dass ein einzigartiges aber ansonsten triviales Ereignis reicht, und Forschung ist geschehen.

3 Überschwang
Begeistert, verzückt, überschwänglich, schwärmerisch danach streben, immer noch mehr zu wissen, gehört auch dazu. Dieses Wissen ist dazu erforderlich, die notwendige kognitive Kontrolle zu erlangen, die bizarre Fantasien (die man manchmal bei 1 und 2 entstehen) von realistischen Erkenntnissen scheidet.

4 Wirrwarr
Verrückt wirkt, was nicht der Normalbiographie entspricht. Aber je diverser die Erfahrungen, etwa Mehrsprachigkeit, aber auch wirtschaftliche Not und Minderheitenstatus sorgen für den Spirit, der neue Entdeckungen ermöglicht – Humus der Kläglichkeit.

5 Weltfremdheit
In diesem Universum des Utilitarismus staunt der Wissenschaftler ziemlich ziellos über naheliegende Merkwürdigkeiten, versucht sie um des Wissens wegen zu verstehen, losgelöst von jeder Zweckbestimmtheit. Dieses freie Forschen wirkt wie Träumerei und Einfallspinselei.

6 „Rentner-Stil“
Er glaubt meist nicht daran, Mode könnte die Welt verändern. Er kennt dafür Studien, die zeigen, dass einfache Outfit-Entscheidungen die Fähigkeit einschränken, weitere Entscheidungen zu treffen; und Wissenschaft ist kompliziert. Sieht halt manchmal seltsam-scheiße aus.

7 Angriffslust
Diese geduldige, szientistische Intelligenz, die tatsächlich Erkenntnis bringt, wirkt brutal: Jede Idee will er gnadenlos der Feuertaufe des Experiments unterziehen – dieser Haltung verdankt er seine epistemologische Gravitas.

8 Weltfremdheit
Wissenschaftliche Entdeckungen und Erfindungen auf höchstem Level brauchen radikale Vorstellungskraft, weshalb Forscher all dem frönen, was als infantile Fantasie abgetan wird – Science Fiction zum Beispiel.

In diesem Sinne kann einen Wissenschaftler nichts Falscheres tun, als sich gegen den Vorwurf wehren, er sei „verrückt“, denn Verrücktheit ist seine eigentliche Begabung.

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KOMMENTARE

    Kommentar
  1. 1
    lalablabla hat diesen Kommentar 1. Dezember 2014 geschrieben| Permalink

    Hahaha, sehr schön. Da ist tatsächlich etwas dran…

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