Schon in der Antike suchten kluge Menschen das glückliche bzw. glückende Leben, darunter die sog. Stoiker. Ihr lebenslanges Bemühen um Selbstformung brachte uns das Ideal der stoischen Seelenruhe.
Inspiration ist alles! Deshalb fragen wir von Stud-Blog, ob es im Stoizismus zielführende Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Haltungen gibt, die sich auch auf das Studentenleben positiv auswirken könnten. Auch der Student könnte mit Vernunft als Wegweiser und dem tugendhaften Selbstvervollkommnungsstreben (Oikeiosis) als Motivation ein glückliches Studium hinlegen. Zynische Zeiten haben zwar eine spöttische Aura um den Begriff Tugend geschaffen, dennoch sollte der Student bei jedem Schritt, welchen er in seinem Studium nach Vorwärts tut, vier Schritte zur Vervollkommnung seiner Ethik nach Innen tun.
Wie erlangt der Student stoische Ruhe? Hier vier Punkte:
1. Apathie
Apathie ist der Kern des stoischen Ethos, das Ziel der stoischen ars vivendi. Die Freiheit von Lust, Unlust, Begierde und Furcht sollte man bereits als Student erstreben. Leidenschaften, Affekte bzw. auf sich selbst zentriertes Handeln gilt es zu vermeiden. Denn wer durch gleichmütige Kontrolle leidvolle und destruktive Affekte beherrscht, der kann sich beruhigt auf seine Studieninhalte konzentrieren. Ein stoischer Student vermeidet auch eher angenehme äußere Reize, wie Partys, Sauverein oder dergleichen studentische Aktivtäten. Der stoische Student kann dem Lockruf der Lust und das Widerstreben der Unlust widerstehen. Er ist eine Art Fels an dem die Wellen brechen. Letztendlich bedeutet dies auch eine unbedingte Loyalität gegenüber dem wissenschaftlichen Ethos. Denn Apathie heißt auch wissenschaftliche Betrachtung, weil sie ohne Vorurteil und Neigung – sine ira et studio – nach der Wahrheit forscht.
2. Euphatie
Das vernünftige Wohlwollen für seine Kommilitonen und benevolentes Engagement in der universitären Welt gehören zu einem glückenden Studium dazu. Es geht um die ethische Verpflichtung des Studenten zum aktiven Beitrag in der Studierendenschaft und Scientific Community – forscherisch, politisch wie auch sozial. Hilfsbereitschaft und Sensibilität für die Verletzlichkeit der Mitstudenten sind erstrebenswert, denn ein geglücktes Studium erreicht man nur in der Gemeinschaft. Der stoische Student studiert und forscht in kollegialer, kollektiver Anstrengung zwecks Erzeugung von neuem wissenschaftlichem Wissen als einem Kollektivgut.
3. Autarkie
Darunter verstehen Stoiker Selbstgenügsamkeit. Nicht wirtschaftliche, religiöse oder politische Interessen leiten das Studium oder die Forschungsaktivität. Dem stoischen Studenten geht es nicht um materielle (bessere Verdienstchancen) oder symbolische (höhere Reputation) Gewinne, sondern um intellektuelle Freiheit, Freiheit der Forschung und das Primat der Erkenntnis. Niemals bedrohen externe Verwertungsinteressen im Außenverhältnis seine innere Freiheit und äußere Balance. Kurz: Autarkie ist eine Art aktive Vergleichgültigung gegen allgemeine Zwecke.
4. Ataraxie
Stoische Unerschütterlichkeit ist der Apathie sehr ähnlich. Dabei handelt es sich aber eher um eine Art Urteilsenthaltung. Man könnte dies als Gelassenheit oder Coolness interpretieren. Es geht darum, nicht jedem der unwichtigen Themen ein Werturteil zu geben. Auch im Studentenleben sind viele Dinge eher unwichtig, da sie nicht zum Studienerfolg beitragen. Mit stoischer Sichselbstgleichheit entgeht man einem nervigen und vom Studium ablenkenden Hin- und Hergerissensein, sinnloser Schwärmerei oder Ablehnung. Es ist auch die Unabhängigkeit, die Überwindung vom Mode, Trend und Mainstream im Alltag und im Studium. Ataraxie bedeutet auch, die wissenschaftliche Arbeit der wertenden Stellungnahme zu enthalten (Wertneutralität).


UND WAS NUN?