In der Universität kommt es sehr auf Verständigung und die Möglichkeit des “Überlegenkönnens” an, um Gründe und Gegengründe für bestimmte Diskussionspunkte finden zu können. Insbesondere Seminare sollen der Verständigung und des gemeinschaftlichen “Überlegenkönnens” dienen. Diese Rationalität ist allerdings voraussetzungsvoll, sie basiert auf intellektueller Redlichkeit. Jeder hat mal einen schlechten Tag, ein bestimmtes Kriterium, intellektuelle Redlichkeit, gilt aber jederzeit für jeden.

Stud-Blog hat da ein paar Hinweise, wie man diese Tugend erwirbt:

1. Niemals das eigene Argument überbewerten: Intellektuelle Redlichkeit steht im Zusammenhang mit Demut, nicht Arroganz. Selbstzweifel und die Sorge um die Richtigkeit des Argumentes gehören ebenfalls dazu.

2. Ehrlichkeit im Umgang mit Alternativen: Intellektuelle Redlichkeit zeichnet sich durch die Bereitschaft aus, alternative Sichtweisen zu würdigen. Wahrheit lässt sich nur schwer monopolisieren.

3. Zu den eigenen argumentativen Schwächen stehen: Die Fähigkeit, eigenen Annahmen auch öffentlich zu hinterfragen und Schwachstellen zu offenbaren, ist westlich besser, als den eigenen Ansatz und die damit zusammenhängenden Aussagen in irgendeiner kreativen Art zu immunisieren. Irgendwann kommt jede Verzerrung auf den Tisch oder das Mikroskop. Das verschleiern oder herunterzuspielen von Schwachstellen ist unredlich.

4. Mut zur Revidierung: Die Bereitschaft, öffentlich die Falschheit oder Trivialität des eigenen Arguments anzuerkennen, sollte man entwickeln. Das Gegenteil ist Merkmal einer unredlichen Mentalität. Die eigene Position notfalls zu revidieren, ist ein starkes Zeichen geistiger Redlichkeit.

5. Niemals mit zweierlei Maß urteilen: Wer einen übermäßig hohen argumentativen Standard für gegnerische Argumente setzt, für sich und Verbündete aber eine sehr viel geringe Norm akzeptiert, der macht einen großen Fehler. Es ist nicht nur unzulässig, Werturteil zugunsten der eigenen Anliegen zu fällen, es fällt auch schnell negativ auf.

6. Nie gegen die Person: Man sollte immer das Argument angreifen, niemals die argumentierende Person. Am schlimmsten sind die subtilen Varianten dieser Unredlichkeit. Unterstellungen in Bezug auf die Fähigkeit zum korrekten Argumentieren, auf fehlendes Fachwissen, eine ungeeignete Profession usw., sollten vermieden werden.

7. Ehre wem Ehre gebührt: Würdige öffentlich die Kritik des Gegenübers. Die Unart, offensichtlich  leistungsfähige Kritikpunkte nicht zu würdigen, zeigt mangelndes Interesse an einem ehrlichen intellektuellen Austausch an.

8. Klar und deutlich: Man sollte sich immer um ein Höchstmaß an Verstehbarkeit bemühen. Schwache Argumente durch kryptische Sprache und persuasive Rhetorik hermetisch gegen Kritik abzuriegeln, ist hochgradig unredlich.