John Stuart Mill, Franklin Delano Roosevelt und John Fitzgerald Kennedy, sie alle waren sagenumwobene Schnellleser. Speed Reading beschreibt eine Kombination aus überdurchschnittlich schnellem Lesen und gleichzeitigem Inhaltsverständnis. Der schnellste Leser der Welt, Sean Adam, liest 3850 Wörter pro Minute. Der normale Student schafft es auf eine Lesegeschwindigkeit von ca. 300 WpM (rund 1 Seite pro Minute). Im Prinzip kann niemand mehr als 400 WpM schnell lesen, meinen Kritiker.

Es gibt aber ein paar Ansätze, die versprechen, die Ineffizienzen des eigenen visuellen Systems zu beseitigen. Damit sind nicht die üblichen Möglichkeiten gemeint, die das Lesen normalerweise erleichtern. Manchmal reicht es ja auch schon aus, wenn man „bewusst“ schnell und konzentriert liest (vielleicht ist es auch nur das, was dieser Artikel erreichen will).

Hier geht es um Methoden, die über das Verwenden bekannter Schriftarten (müssen während des Lesens nicht neu gelernt werden), der richtigen Schriftgröße und Zeilenabstände, des Spaltensatzes oder einer Lesehilfe sowie das Einhalten einer richtigen Sitzhaltung mit genügend Abstand und korrekter Perspektive zum bzw. auf das Lesematerial (mit ca. 49 cm Abstand und im 90-Grad-Winkel) hinaus gehen.

Gemeint ist ein systematisches Herangehen an den Lesestoff, das undisziplinierte Augenbewegungen oder einen abgehackten und sprunghaften Leserhythmus verhindern soll. Um eine höhere Lesegeschwindigkeit zu erreichen, muss man (1) die Zahl und Dauer der Fixationen pro Zeile (jede Fixierung dauert ¼ bis zu einer ½ Sekunden) minimieren und (2) das bewusste oder unbewusste Zurückspringen auf bereits gelesenen Textstellen (nimmt ca. 30% der Lesezeit in Anspruch) minimieren sowie (3) durch gezieltes Training das horizontale und periphere Fixierfeld erweitern bzw. die Anzahl der erfassten/gelesenen Wörter pro Fixierung erhöhen. Wie kann man all dies erreichen?

Stud-Blog gibt Tipps:

1. Training der Zielfindung
Eine der wichtigsten Punkte beim Speed Reading ist, dass man vorher genau wissen muss, welche Information man aus dem vorliegenden Text gewinnen will. Es kann nur darum gehen, die wesentlichen Fakten schnell zu extrahieren. Um die Details eines Dokuments genau zu erfassen, ist Speed Reading eher ungeeignet.

2. Training des Blocklesens
Der denkbar langsamste Lesemodus ist das Lesen Buchstabe für Buchstabe oder Wort für Wort. Normal begabte Leser fixieren beim Lesen Blöcke von Worten, nicht einzelne Wörter – sie lesen Block für Block. Speed Reading ist die Erhöhung der Anzahl der Worte in jedem dieser Blöcke und damit die Erhöhung der gewonnen Information pro Fixierung. Je größer der Block bzw. die Anzahl der Wörter eines Blocks, desto schneller die Lesegeschwindigkeit. Mit dem kostenlosen Programm SpeedRead kann man die Fähigkeit in Blöcken zu lesen sehr gut trainieren.

3. Training des peripherischen Sehens
Es gibt viele Situationen, in denen Übungen zum Training der peripheren Wahrnehmung angewandt werden können. So kann man das visuelle System trainieren, indem man auf dem Weg zur Universität versucht, entfernte Ziele bei gleichzeitiger Identifizierung der Umgebung zu fixieren – ohne Blicksprünge/Fixationswechsel. Man kann versuchen, einen Textblock anzuschauen und gleichzeitig Wörter außerhalb des Blocks wahrzunehmen. Man kann beim Lesen einer Studie auch versucht, mit dem einen Auge die Grafik und mit dem anderen Auge den Text im Blick zu haben. Nützlich ist auch das seitliche Lesen oder Identifizieren von Buchstaben und Zahlen auf selbsterzeugten Testblättern.

4. Verringerung des Vokalisierens
Dazu sollte man sich der A-E-I-O-U Methode bedienen (Anleitungsvideo). Die Übung ist sehr einfach, sie besteht darin, beim Lesen von Wörtern einfach a, e, i, o, u verbal zu objektivieren. Am besten nutzt man dazu den ZapReader, eine kostenfreie Anwendung, die beliebige Texte und Webseiteninhalte in beliebiger Geschwindigkeit in einzelnen Wörtern präsentiert. Das Programm Spreeder ist auch gut.